"Wir tun das Gegenteil von dem, was wir wissen" - Hannes Jaenicke im Interview

Hannes Jaenicke ist nicht nur ein großartiger Schauspieler, sondern auch ein aktiver Umweltschützer und Buchautor. In seiner weltweit preisgekrönten ZDF-Dokumentationsreihe zum 
Foto © Carsten Sander
Thema Tierschutz setzt er sich unter anderem für bedrohte Tierarten wie Eisbären, Haie und Orang-Utans ein. Im Sommer folgt die nächste Dokumentation über Elefanten. 2010 erschien sein erstes Buch "Wut allein reicht nicht", in dem er Umweltskandale aufdeckt und deutlich Worte für Verbrechen an Tieren und Umwelt findet. Doch beim Tierschutz allein blieb es nicht. Angespornt durch immer wiederkehrende Enthüllungs-skandale in der Konsumgüterindustrie, recherchierte Hannes Jaenicke weiter, stieß auf immer mehr "Lug und Trug" und stellte sich die Frage, was man heutzutage eigentlich noch bedenkenlos konsumieren kann. Seine reichhaltigen Informationen fasste er im Buch "Die große Volksverarsche" zusammen, das er dem kritischen Verbraucher nicht vorenthalten wollte und 2013 veröffentlichte. Das Buch führte wochenlang die Bestseller-Liste an. Mit WeGreen spricht Hannes Jaenicke über nachhaltiges Verhalten im Alltag und seine Begeisterung für die Idee hinter WeGreen.



Q: Schon seit einigen Jahren beschäftigen Sie sich mit dem Umweltschutz und engagieren sich dafür. Wie kam es dazu? Gibt es ein Schlüsselerlebnis?

A: Nicht wirklich. Ich bin seit Teenager-Jahren Mitglied bei Greenpeace und anderen Organisationen und wundere micht zunehmend, dass wir seit ca. 40 Jahren ziemlich genau wissen, was im Umweltschutz passieren müsste und trotzdem stur das Gegenteil dessen tun. 

Q: Wie ist das Feedback Ihres Engagements?

A: Sehr unterschiedlich. Manche sind genervt oder belächeln es, andere finden es wichtig und richtig. 

Q: Mit Ihrem neuesten Buch "Die große Volksverarsche" wollen Sie dem halbwegs nachdenklichen Konsument aufklären, wovon er besser die Finger lassen sollte und was er mit gutem Gewissen konsumieren kann. Was denken Sie, warum dieses Buch, genauso wie die Nachhaltigkeitsampel von WeGreen, in der heutigen Zeit nötig ist?  

A: Weil es im Konsum-Dschungel der Wegwerf-Gesellschaft immer schwieriger wird sich zu orientieren, und weil multinationale Konzerne wie Nestlé, Unilever, Procter & Gamble, McDonalds, Coca-Cola etc. mit immer raffinierteren und zynischeren Methoden versuchen, uns zum immer schnelleren, ungesünderen und überhaupt nicht nachhaltigen Konsumieren zu animieren, um ihre Umsätze zu steigern.

Q: In nahezu allen Umfragen geben die Konsumenten an, dass sie beim Kauf immer mehr auf die Nachhaltigkeit von Produkten achten. Trotzdem sind die aktuellen Marktanteile von ökologisch und fair produzierten Produkten noch sehr gering. Wie erklären Sie sich das und wie kann diese Diskrepanz Ihrer Meinung nach verringert werden?

A: Das ist eine schwierige Frage! Mit den Werbe- und Marketing-Budgets der o.g. Konzerne können Öko- und Fairtrade-Anbieter nicht mithalten. Und mit deren Preispolitik schon mal gar nicht. Dagegen hilft nur Information darüber, was in Billig- und Massenproduktion so alles drinsteckt und wie skandalös, umweltschädlich und Arbeitnehmerfeindlich diese arbeitet.

Q: Was war Ihr erster Gedanke, als Sie zum ersten Mal auf WeGreen gestoßen sind?

A: Großartige Initiative!

Q: Was halten Sie von der Lösung die Nachhaltigkeit eines Produktes in einer einzigen Zahl bzw. mit einer Ampel zu erfassen? Ist dieses Vorgehen aus Verbrauchersicht sinnvoll oder verallgemeinert die Ampel die Problematik zu stark.

A: Ich halte jede leicht verständliche und klare Kennzeichnung - wie z.B. eine Ampel - für sinnvoll. Die gibt es ja in vielen Ländern längst und sie bewährt sich.

Q: Denken Sie Nachhaltigkeit ist ein "Trend", der sich auf lange Sicht durchsetzen kann? Und was muss geschehen, damit bewusstes Einkaufsverhalten tatsächlich in der Mitte der Gesellschaft ankommt?

A: Der sogenannte Trend MUSS sich durchsetzen, wenn wir Umwelt, Natur und Tieren nicht gänzlich den Garaus machen wollen. Dazu müssen Politik, Industrie und Verbraucher jeder ihren Beitrag leisten, anstatt sich gegenseitig die Verantwortung und Schuld zuzuschieben.

Q: Wie verhalten Sie sich nachhaltig in Ihrem Alltag? Man versucht immer "alles richtig" zu machen - doch ist das nicht teilweise unmöglich?

A: Zunächst einmal fliege ich beruflich viel zu viel und mache dementsprechend jeweils einen sog. CO2-Ausgleich. Ansonsten bemühe ich mich vor allem beim Essen und Konsumieren einen minimalen CO2-Footprint zu hinterlassen, z.B. durch veganes Essen, Kauf von Gebraucht-Artikeln und diversen Sharing-Konzepten wie Car Sharing etc.

Q: Was wünschen Sie sich von WeGreen?

A: Ich wünsche Euch den größtmöglichen Erfolg. Seid laut and spread the word!


Wir bedanken uns recht herzlich bei Hannes Jaenicke für dieses Interview.
Weitere Tipps von ihm zum Thema findest Du in seiner "Do-it-yourself-Liste". Wie unsere Ampel funktioniert und wo du beispielsweise Bio-Mode findest, zeigen wir Dir hier.