Baumwollanbau und seine Folgen

Dir ist in letzter Zeit beim shoppen aufgefallen, dass immer mehr Kleidung aus synthetischen Materialen besteht? Früher wurde Polyester oder andere synthetische Fasern verpönt, heute sind sie nicht mehr wegzudenken. Klar, keine Frage - eine Naturfaser wie Baumwolle ist ein tolles Material! Noch vor ein paar Jahren bestand unsere Kleidung hauptsächlich aus Baumwolle. Der Anbau dieser Pflanze hat jedoch schwerwiegende Folgen für Natur, Tier und Mensch, sodass immer mehr Alternativen "entwickelt" werden:

Unter dem Namen "das weiße Gold" ist Baumwolle seit dem Ende des 19. Jahrhunderts bekannt. Der begehrte Rohstoff wird in heißen und trockenen Gebieten angebaut und schluckt deshalb enorm viel Wasser. Rund 300 Millionen Menschen in mehr als 80 Ländern - davon sind die meisten Entwicklungsländer - sind in der Baumwollindustrie beschäftigt. Zudem sind 90 Prozent der Baumwollbauern in Kleinbetrieben tätig. Nicht nur wegen des hohen Wasserverbrauchs, auch wegen dem Einsatz von über 400.000 Tonnen Dünger und Pestiziden ist Baumwolle als eines der umweltschädlichsten Agrarprodukte bekannt. Und das ist nicht genug - obendrein sind die Arbeits- Sozial- und Lebensbedingungen in den meisten Anbauregionen völlig inakzeptabel.
Während rund 24 Millionen Tonnen Baumwolle im Jahr hergestellt werden, sterben im Jahr nach Schätzung der WHO (World Health Organization) 20.000 Menschen an den Vergiftungen durch den ungeschützten Umgang mit Pestiziden. Über die Hälfte der Pestizide stuft die WHO als gefährlich ein. Wie zum Beispiel das Gift Endosulfan. Das in Europa verbotene Spritzmittel stuft die WHO sogar als moderat gefährlich ein. In Teilen von Afrika, wie Benin ist das Gift bereits verboten und man hofft auf weiteren Nachzug der anderen Länder in Afrika. Doch in China, Indien und den USA ist es weiterhin erlaubt. Die eigentlichen Verlierer, die doch Gewinner mit dem Baumwollanbau sein wollen, sind die Bauern, denn sie sorgen sich nicht um ihre Gesundheit, sondern darum, wie sie diese teuren Pestizid- und Insektizid-Mittel bezahlen. Denn fällt die Ernte schlecht aus, so können sie ihre Kredite nicht tilgen und sehen als einzigen Ausweg den Suizid. Und das sind erschreckende Zahlen: In der Zeit von 1997 bis 2005 nahmen sich allein in Indien mehr als 150.000 Bauern das Leben.



Seit Jahren unterstützen verschiedene Organisationen, Initiativen und Entwicklungshelfer die Bauern bei dem Umstieg auf nachhaltig verbesserten Anbau von Baumwolle, der dabei möglichst keine Bodenerosion und Grundwasserverseuchung verursachen soll. Die nachhaltigste Methode ist der kontrolliert biologische Anbau. Doch schon da hapert es in der Praxis. Die Umstellung dauert ungefähr drei bis vier Jahre, da die Böden diese Zeit brauchen, um den Kunstdünger und die Pestizide abzubauen. Auch an den nötigen Kenntnissen fehlt es den Bauernfamilien, so dass sie im Bereich Düngung und Schädlingsbekämpfung geschult und beraten werden müssen. Im Gegensatz zum konventionellen Anbau, der in Monokultur praktiziert wird und somit ganze Landstriche verödet, wird Biobaumwolle in Fruchtfolge angebaut. Abwechselnd wird dann also Mais, Hirse oder eben Baumwolle angebaut. Durch die abwechselnde Fruchtfolge wird der Boden belebt. Somit ist der Anbau von kontrolliert biologischer Baumwolle möglich, da keine chemischen Pestizide oder Düngemittel nötig sind und diese ohnehin verboten sind. Positiv ist außerdem, dass die Biobaumwolle die beste Ökobilanz aller Textilfasern besitzt, denn sie hat einen niedrigen CO2-Emissionswert und bei der Herstellung einen geringen Energieverbrauch. Auch der Wasserverbrauch kann durch eine Tröpfchenbewässerung um bis zu zwei Drittel gemindert werden.
Neben der Alternative der Biobaumwolle gibt es natürliche Faserstoffe, wie zum Beispiel Flachs (Leinen), Hanf, Bambus und weitere, die wir in einem späteren Artikel näher beschreiben werden.
Wenn Du beim Kauf deines T-Shirts aus Biobaumwolle sichergehen möchtest, dass es auch unter guten sozialen Bedingungen hergestellt wurde, dann achte darauf, dass es das GOTS- Siegel oder das IVN-Siegel trägt.