Geplante Obsoleszenz - hört man immer öfter

Doch was verbirgt sich eigentlich dahinter?

Zu einer ökonomischen, ökologischen und sozialen Nachhaltigkeit gehört ein möglichst langer Produktlebenszyklus, den viele Unternehmen jedoch nach und nach mit Absicht verkürzen. Denn ist der Markt erstmal gesättigt, so wird es für die Hersteller zunehmend schwieriger, ihre Produkte abzusetzen. Aus diesem Grund entscheiden sie sich für die geplante Obsoleszenz, also den geplanten Verschleiß ihrer Produkte.
Das sich diese Strategie erfolgreich durchsetzt, zeigten bereits die Automobilhersteller Ford und General Motors in den 1920er Jahren. Während die Autos von Ford für Qualität und Langlebigkeit standen, entwickelte General Motors eine Strategie, mit der er auf Design und schnelle Modezyklen setzte. Durch Marketing erzielte er, dass das Auto nicht als reines Fortbewegungsmittel, sondern als ein Lebensstilprodukt angesehen wurde. Durch bewusst verkürzte Haltbarkeit, etwa durch preiswertere Materialien, senkten sich die Kosten und durch den schnellen Neukauf aufgrund der kürzeren Lebensdauer erhöhte sich der Gewinn. Die erfolgreiche Strategie nahm Ford einen großen Marktanteil.


Geplante Obsoleszenz tritt in unterschiedlichen Erscheinungsformen auf. Zum einen gibt es die qualitative Obsoleszenz, hinter der sich folgendes verbirgt: Produkte haben eine kürzere Lebensphase, da sie durch eine beabsichtigten manipulierten Herstellung schneller defekt werden. Demzufolge werden Ersatzkäufe nötig. "DuPont" zum Beispiel setzte qualitativ sehr gute Strumpfhosen, die ohne eine Laufmasche eine lange Lebenszeit hatte, ab. Um eine größere Absatzmenge zu erzielen und somit die Umsätze zu erhöhen, plante "DuPont" den Zerfall, also die Zerstörung der Strumpfhose in deren Herstellung ein. Neben Nylon besteht diese aus Zusatzstoffen, die als Stabilisatoren gegen beispielsweise das UV-Licht der Sonne oder den Sauerstoff dienen. Durch Reduktion oder Weglassen der Zusatzstoffe wurde die Haltbarkeit der Strumpfhose verringert und so kehrte die Laufmasche zurück.
Eine etwas mildere Form, welche jedoch ein Massenphänomen darstellt, ist der gewollte vorzeitige Verschleiß bzw. die psychische Obsoleszenz. Das Produkt wird wegen modischer Formveränderung durch ein neues Produkt ersetzt. Die schnellen Modewechsel beschleunigen die psychische Obsoleszenz und der Konsument wird durch Werbung und Marketing in die gewünschte Richtung beeinflusst. Ähnlich ist es mit der funktionell-technischen Obsoleszenz - hier handelt es sich um funktionsfähige Produkte, welche durch Innovationen oder leistungsstärkere Modellen abgelöst werden.
Oftmals sind sich die Verbraucher gerade bei Textilien über den Verschleiß bewusst und nehmen diesen billigend hin. Denn minderwertige Einsatzstoffe oder Materialien werden akzeptiert, so lange das Produkt preiswert ist. In vielen Textilprodukten wie zum Beispiel in Jacken werden Längsspiral-Reißverschlüsse vernäht, die jedoch von geringer Haltbarkeit sind, beziehungsweise sind diese zu klein, so dass sie ausreißen.

Da eine Reparatur des Reißverschlusses schwierig und preisintensiv ist, wird das Produkt weggeworfen. Ähnliches gibt es bei Textilien, die aus einer kurzfaserigen Baumwolle hergestellt werden, so dass das Material aufscheuert, an der Oberfläche aufflust und abgenutzt erscheint. Das Produkt wird dementsprechend vorzeitig entsorgt.
Es stellt sich die Frage, ob Wachstum durch Qualität oder Menge erzielt wird. Festzustellen ist, dass das Phänomen des geplanten Verschleißes nicht nur eine Verschwendung von Ressourcen ist und für wachsende Müllberge sorgt, sondern auch zu Lasten der Konsumenten geht.
Um diesem "Murks" entgegenzuwirken, haben sich Verbraucher unter den Namen "MURKS? NEIN DANKE!" zusammengetan und sorgen auf ihrem Communityportal für Transparenz und Aufklärung. Zudem stellte Stefan Schridde zusammen mit seinen Co-Autoren das Gutachten "Geplante Obsoleszenz / Entstehungsursachen - Konkrete Beispiele - Schadensfolgen - Handlungsprogramm" im Rahmen eines Fachgespräches im Bundestag vor.
Bernd Kolb - Gründer des Club of Marrakesh schlägt im Kampf gegen geplante Obsoleszenz vor, dass die Lebensdauer von Produkten verzehnfacht und dafür ebenfalls der Preis verzehnfacht wird. Somit sind die Abfallmengen geringer und möglicherweise die Gewinnmargen für Hersteller höher. Eine andere Idee, ist die Forderung nach einer lebenslangen Garantie.