Oh Auto, Du elektrisierst mich!

Spätestens seitdem das Angebot da ist, stellt man sich beim Autokauf die Frage: Will ich mit Benzin-, Diesel, Erdgas-, Hybridmotor oder ausschließlich Strom fahren? Was kann ich mir leisten und was ist besser? Was ist am umweltfreundlichsten? 
Die Antworten sind stark vom Einzelfall abhängig. In der Verbreitung der alternativen Antriebe liegt Hybrid derzeit immer noch klar vor Gas und Elektro. Die Zahlen verraten aber auch, dass das Elektroauto trotz seines Nische-in-der-Nische-Daseins immer beliebter wird – ganz ohne Auspuffemissionen und flüsterleise. Gegenüber dem Vorjahr konnten die Zulassungszahlen um rund 145 Prozent zulegen. Interessant ist deshalb zu sehen, welche Nachhaltigkeitsampeln ihre Hersteller einfahren, denn das verrät viel über ihre Gesamt-Unternehmensstrategie. Es spiegelt wieder, was umweltfreundlich, fair und transparent ihnen bis jetzt wirklich bedeutet. 

Auch wenn Tesla derzeit ein Netz aus Gratis-Schnellladestationen baut, gehen die ersten 3 Plätze der deutschen Zulassungstatistik für Elektroautos an andere:



Vorneweg Smart, BMW und Renault dann Tesla (noch unbewertet), Nissan, Opel, Ford und nochmal Renault. Der VW e-Up rollt erst langsam in die Läden und ist in der Statistik nur als Dunkelziffer erfasst, während Audi sich noch Zeit bis voraussichtlich Herbst 2014 lässt. Smart liegt also nicht nur auf Platz eins der neuzugelassenen Elektroautos, sondern weist auch als einzige der beliebtesten Marken eine grüne Bewertung auf. Allerdings bleibt abzuwarten, wie Tesla als Pionier von Elektroautos für die breite Masse mit seiner langfristigen Nachhaltigkeitsstrategie abschneidet - wahrscheinlich grüner als Smart.

Sicher ist, dass langfristig alle endlichen Treibstoffe wie Benzin, Diesel und Erdgas Konzepten aus regenerativen Energien unterlegen sind. Elektroautos aber lösen aufgrund beschränkter Akkukapazität, Ladezeit und unausgereifter Infrastruktur Reichweitenängste bei manchem aus. Und die Akkutechnologie verspricht sich in näherer Zukunft nicht viel zu verbessern. Deshalb wird derzeit auch fleißig an strombasierten Flüssigtreibstoffen geforscht. Ihre Stärke: das Fahrzeug ist innerhalb weniger Minuten aufgetankt, die sogenannten Fischer-Tropsch-Kraftstoffe unter ihnen können von 90 Prozent der bestehenden Verbrennungsmotoren verwertet werden und sie verbrennen sauberer als Diesel oder Benzin. Ihr Nachteil – sie sind energieintensiv in der Erzeugung.


Würden bis 2050 alle Autos elektrisch oder mit strombasiertem Sprit versorgt, bräuchte der Verkehrssektor aber mehr Strom als ganz Deutschland heute, so eine Studie des Öko-Institus in Freiburg. Die Stromerzeugung müsste sich logischerweise mehr als verdoppeln und aus regenerativen Quellen stammen, um umweltfreundlich zu sein. Noch aber macht der Anteil regenerativer Energien in Deutschland erst 25 Prozent aus. Von Volkswagen hört man derweil "Volkswagen denkt das e-Auto ganzheitlich. Wir wissen, dass jedes e-Fahrzeug nur so klimafreundlich ist wie der Strom, der es antreibt." Zur Markteinführung des e-up! bekommt man deshalb den Wechsel fürs eigene Heim zum Blue-Power-Tarif beim Öko-Strom-Partner Lichtblick angeboten, und das Auto in einem zugegebenermaßen lustigen Spot vertont. Der Strom hierfür stammt ausschließlich aus Wasserkraftwerken in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Während man Zuhause sein Auto also per Ökostrom von Lichtblick oder anderen Anbietern über Nacht aufladen kann, braucht es für eine Schnellladung an der öffentlichen Schnellladestation eine enorm hohe Spannung, die meist von den großen Energieversorgern ins Netz gespeist wird. Die Umweltbilanz dieser Antriebe aber hängt also ganz von der Bereitstellung der eingesetzten Energie und der Entwicklung des Energiesektors ab. 

Die aktuelle Klimabilanz von Elektroautos legt uns das Institut für Energie- und Umweltforschung in Heidelberg in seiner Studie UMBReLA dar - von der Produktion bis hin zur getankten Energie. Das Ergebnis: Dieselbetriebene Autos sind derzeit oft klimaschonender als ElektroautosDas Elektroauto ist laut Studie nur im Stop’n'Go-Verkehr in der Stadt oder bei gewerblichem Vielfahren am umweltfreundlichsten. Denn obwohl weder Co2 noch Feinstaub im Elektro-Betrieb ausgestoßen werden, entstehen diese Emissionen derzeit noch bei der Erzeugung des getankten Stroms. Ein weiterer Wermutstropfen sind die vielen seltenen Metalle und Erden für den Akku, dessen energieintensive Herstellung sowie die aufwändige Entsorgung. Für Hersteller und Politik ist klar, dass der umweltbewusste Verbraucher fordern wird, dass es entsprechende Verbesserungen rund um die Akkus gibt, und Strom aus Erneuerbaren an den Ladestationen zur Verfügung steht.