Das BlueSign Textilsiegel – Idealismus trifft Industrie

Jeder Deutsche kauft im Schnitt 70 Kleidungsstücke pro Jahr. Das sind 5,8 Kleidungsstücke pro Monat. Da diese meist unter dem Einsatz von chemischen Hilfsstoffen und im Rahmen einer globalen Wertschöpfungskette produziert werden, gibt es mittlerweile eine ganze Reihe an Textil-Siegeln, die entweder Aspekte des Umweltschutzes, soziale Rahmenbedingungen oder aber beides unter die Lupe nehmen. 


Natürlich fragt man sich da: Welche Siegel garantieren mir eine bessere Qualität? Und gibt es Blender unter ihnen? 

Eine ganze Reihe von Broschüren informiert deswegen ausführlich über die verschiedenen Siegel, wie zum Beispiel der Greenpeace-Ratgeber „Textil-Label unter der Detox-Lupe". Einen guten Überblick bietet außerdem der Utopia-Artikel "Die wichtigsten Siegel für Kleidung ohne Gift". Und natürlich findest Du auch bei uns eine Profilseite zu jedem Siegel, denn diese fließen immer entsprechend ihres Gewichts in die WeGreen Nachhaltigkeitsampel ein. Generell lässt sich sagen, dass ein Siegel immerhin eine Information darstellt und somit besser ist, als ein unbeschriebenes Blatt in der globalen Wirtschaft. Auch wenn keines der Siegel perfekt ist, lohnt es sich, die wichtigsten 10-15 Siegel kennenzulernen und beim Kleiderkauf auf sie zu achten. Aus diesem Grund wollen wir uns heute mit BlueSign-Siegel vertraut machen.

Idealismus trifft Industrie

Das BlueSign-Siegel wurde von dem Schweizer Unternehmen bluesign technologies AG mit dem Ziel schadstoffarme, umweltfreundlichere Produktionsabläufe zu erreichen entwickelt. Es stellt Mindestanforderungen auf, damit die bei der Textilveredlung – wie Färben, Bedrucken und Beschichten – eingesetzten Fasern, Chemikalien, Hilfsmittel und Farbstoffe möglichst umweltfreundlich und unschädlich sind. Es umfasst eine Liste verbotener Chemikalien und schreibt für die verschiedene Chemikalieneinsätze den jeweils aktuell besten Prozess vor. Um auch Faktoren wie Abwasser, Abluft und um Arbeitsplatzsicherheit zu kontrollieren, ist eine enge Zusammenarbeit mit den Herstellern notwendig. Unterm Strich garantiert das Siegel also nicht absolut schadstofffreie Endprodukte, sondern macht unter den bereits etablierten Prozessen den umweltfreundlichsten zum Maßstab. Finden tut man das Bluesign Siegel vor allem bei Outdoor-Produkten, aber auch bei Baby- und Kinderkleidung von Jako-O, oder Selbstgeschneidertem bei DaWanda.

Greenpeace nicht zufrieden

Trotz aller heren Ziele wurde das BlueSign-Siegel von Greenpeace im Rahmen der Detox-Kampagne für die Akzeptanz von Fluorverbindungen zur Beschichtung von HighTech-Fasern kritisiert. Diese Beschichtung macht Stoffe aus Kunstfaser wasserdicht und schmutzabweisend. Man kennt den Effekt dieser Stoffgruppe bereits von der Teflonpfanne. Jedoch merkte Greenpeace zurecht an, dass die sogenannten PFCs höchstumweltschädliche Stoffe sind, die sich unkontrolliert über den Globus verbreiten und bereits in Muttermilch und im Polareis zu finden sind. Ab einer bestimmten Konzentration sind sie auch gesundheitsschädlich, diese wird jedoch alleine durch das Tragen beschichteter Bekleidung nicht erreicht. Greenpeace sagt "Outdoor-Marken wie Jack Wolfskin, The North Face und Mammut werben für ihre Produkte mit Bildern von unberührter Natur. Doch von der Chemie in wetterfesten Textilien bleibt die Natur nicht unbelastet" - ein Treffer in einen wunden Punkt. Denn für das beliebte Beschichtungs-Verfahren gibt es noch keine Alternative, welche ebenso hervorragende Resultate erzielt. Deswegen schreibt das BlueSign-Siegel der Industrie vor allem strengste Richtlinien für den Prozess des Beschichtens vor, bei dem die größten Risiken für Mensch und Umwelt bestehen. Greenpeace fordert mit der Detox-Kampagne die völlige Verbannung von 11 Chemiegruppen aus der Textilproduktion. 10 von diesen werden auch von BlueSign adressiert. Ein Gast mit dem Namen 'Nevar' verteidigt das BlueSign-Siegel auf dem Greenpeace-Blog deshalb so: "Wer sich damit etwas näher auseinandersetzt, kann leicht erkennen, mit wie viel Idealismus und Durchhaltevermögen die Menschen bei Bluesign ihre Gründerjahre hinter sich gebracht haben.


Veränderung der Ziele in Höhe und Breite

Die Geschäftsführerin der Outdoormarke Vaude reagierte auf die Detox-Kampagne mit dem Versprechen bis 2014 auf PFC-Ausrüstungen verzichten zu wollen. Es sei zwar eine Herausforderung, aber sie begrüßte den Fingerzeig von Greenpeace. Auch viele einige der Textilriesen von Mango über H&M bis Adidas wurden durch die Detox-Kampagne dazu bewegt, sich bis zum Jahr 2020 zur Produktion ohne Risiko-Chemikalien zu verpflichten. "Das zeigt, dass die Aktivierung von Verbrauchern im Internet heutzutage eine komplette Branche innerhalb kürzester Zeit umkrempeln kann"  jubelt UtopiaDas BlueSign-Siegel selbst, sowie die Hersteller Vaude, Adidas, The North Face und Patagonia sehen im Umstieg von C8-Fluorchemie auf die vermeintlich harmlosere C6-Fluorchemie eine Verbesserung und Brückenlösung. Greenpeace beurteilt diese Stoffe jedoch als noch gefährlicher und macht weiter Druck. Erste PFC-freie Produktreihen, die wasserabweisend, aber wohl nicht derart schmutzabweisend sind, soll es bereits von Firmen wie Kaikkialla, Jack Wolfskin und Puma geben. Wir sagen Euch Bescheid, sobald wir die entsprechenden Modelle identifiziert haben.

NGOs, Verbraucher, Siegel-Vergeber und Industrie stehen also in einem ständigen und glücklicherweise oft fruchtbaren Wechselspiel. BlueSign beispielsweise möchte die Industrie in der Breite verändern und gibt ihr deswegen Ziele im Rahmen des Bestehenden vor, Greenpeace hingegen setzt Maximalziele und schafft den nötigen öffentlichen Druck für weitere Verbesserungen. Es ist also eigentlich nur eine Frage der Zeit und des Engagements des Einzelnen, wie lange BlueSign die PFC-Ausrüstung von Textilien noch erlaubt.