Das Spannungsfeld der Stromanbieter

Wir haben die Wahl! Mittlerweile haben wir Verbraucher viele verschiedene Alternativen zu den großen Stromanbietern und können uns aussuchen, ob wir die Stromerzeugung aus Wind, Sonne, Wasser, Erdwärme oder Biomasse unterstützen und fördern wollen. Wir sagen: Kopf einschalten bei der Stromanbieterwahl!

Die Kraftwerke des Atomquartetts rechnen sich nicht mehr. Das liegt vor allem an der staatlichen Förderung von Ökostrom aus Wind, Sonne, Wasser, Erdwärme und Biomasse.
Personal abbauen, Geschäftsanteile verkaufen, Investitionen zusammenstreichen und Kraftwerke abschalten. Das ist der momentane Kurs der vier großen Energieversorger E.on, RWE, EnBW und Vattenfall. Die negative Preisentwicklung an der Strombörse in Leipzig, die Kosten der Suche nach Atommüll-Endlagern und der Wegfall kostenloser Kohlendioxid-Emissionsrechte drücken den Gewinn der Konventionellen. Außerdem genießen die Erneuerbaren per Gesetz Einspeisevorrang. Und derzeit will die Politik die Energie-Gesetze nicht ändern.

Die E.on-Aktien beispielsweise büßten in den letzten 5 Jahren drei Viertel ihres Wertes ein. Bei RWE soll die konventionelle Erzeugung angeblich bereits 2020 nur noch ein Fünftel des Betriebsergebnisses ausmachen. Bei Vattenfall lag zum Halbjahr der Gewinn vor Zinsen und Steuern mehr als zwei Drittel unter dem des Vorjahres. Und bei EnBW ist er innerhalb der letzten 9 Monate auch um mehr als die Hälfte eingebrochen.




Es ist höchsterfreulich, dass sich immer mehr Menschen für Ökostrom entscheiden. Inzwischen stammt ein Viertel des in Deutschland produzierten Stroms aus regenerativen Quellen.
Dass Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme (ISE) stellt fest, dass die Vollversorgung mit erneuerbaren Energien bis 2050 technisch möglich sei und sich finanziell nicht belastend auswirke. Dafür müssten die konventionellen Kraftwerke frühzeitig abgeschaltet, sowie die Netz- und Speicherinfrastruktur angepasst werden. Beim zweiten Punkt gibt es jedoch einen Haken.
Die technischen Potenziale zur Nutzung regenerativer Energien sind in Deutschland noch größtenteils unerschlossen.

Deswegen sehen sich reine Ökostromanbieter wie Polarstern, Greenpeace Energy und Lichtblick gezwungen, größtenteils günstigen importierten Ökostrom anzubieten. Dieser kommt vor allem aus Wasserkraftwerken in Norwegen und Österreich. Naturstrom gelingt es als einzigem Ökostromanbieter überwiegend inländischen Ökostrom aus Wind- und Wasserkraft um nur wenig importierten Ökostrom ergänzt anzubieten. Manch einer mosert, man unterstütze mit diesen reinen Ökostromanbietern nicht die Energiewende im eigenen Land. Dabei gilt immernoch das Prinzip, die Nachfrage bestimmt das Angebot. Eine Wende in Sachen Atomstrom findet also im Landesinnern sicher erst dann wirklich statt, wenn sich die Nachfrage wendet.

Folgende zwei Siegel sind erwähnenswert: Produkte mit dem "Grüner Strom Label Gold" bestehen zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energien. Zudem verpflichtet das Zertifikat Anbieter dazu, den zusätzlichen Ausbau erneuerbarer Energien mit einem festen Betrag je verkaufter Kilowattstunde zu fördern. Beim "ok-Power"-Siegel müssen neben den oben genannten Voraussetzungen die Erzeugungsanlagen ökologisch unbedenklich sein.

Generell ist aber auch klar, dass es ein Sicherheitsnetz konventioneller Kraftwerke geben muss, da die Gewinnung erneuerbarer Energien witterungsabhängig ist.
Wie sich das Tauziehen entwickelt, wird die Zukunft zeigen. Man darf also hoffen, dass die Verbraucher die Energiewende soweit voranbringen, dass die heimische Netz- und Speicherinfrastruktur angepasst wird und sich auch für das Sicherheitsnetz nachhaltige Lösungen finden.